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Die wichtigsten Erkenntnisse vom Lipödem Kongress 2022 in Wien

Der diesjährige Lipödem Kongress fand vom 6. bis 7. Mai in Wien statt. Bei diesem Kongress können die Teilnehmer, Ärzte und Ärztinnen ihr Wissen zur Pathogenese, Diagnose und Therapie des Lipödems auf den neuesten Stand bringen. Die wichtigsten Erkenntnisse vom Kongress könnt ihr hier lesen.

Allgemein bekannt bisher ist, dass es sich beim Lipödem um eine erblich bedingte Fettverteilungsstörung an den Extremitäten handelt, die sich zudem unter dem Einfluss weiblicher Hormone entwickelt. Die Fettgewebsvermehrung verhält sich resistent gegen Diäten und sportlicher Betätigung. Die Veränderungen im Gewebe führen zu Symptomen, nämlich vor allem zu Schmerzen, den Schlüsselsymptom der Erkrankung und in späteren Stadien zu Ödemen (Wassereinlagerungen).

Karin Strohmeier aus der Forschungsgruppe um Eleni Priglinger berichtete über den Nachweis erhöhter Aromatase-Aktivität und erhöhter Permeabilität der Endothelzellen im Lipödem-Gewebe. Aromatase wandelt Testosteron in Östradiol um. Im weiblichen Fettgewebe bedeutet das, dass vermehrt Fett eingelagert und weniger abgegeben wird. Die erhöhte Permeabilität, d.h. die Durchlässigkeit von Gefäßwandzellen erklärt die Ödem Bildung (Wassereinlagerungen).

Philipp Kruppa aus der Forschungsgruppe um Mojtaba Ghods berichtete über Gewebeuntersuchungen von Lipödem-Gewebe. Es fand sich eine Adipozytenhypertrophie, also vergrößerte Fettzellen an den Oberschenkeln – und zwar mehr an den Oberschenkeln und weniger am Abdomen (Bauch). Der Unterschied war mit zunehmendem Stadium größer. Außerdem fand die Gruppe einen erhöhten fibrotischen Umbau des Gewebes (krankhaft vermehrtes Bindegewebe), der nur die Oberschenkel betraf, nicht das Abdomen.

Nach wie vor gibt es zur Liposuktion keine Alternative, wenn eine nachhaltige Therapie des Lipödems gefragt ist. Bezüglich der Methoden gibt es auch keine Neuigkeiten. Je nach Zentrum wird die PAL- oder die WAL-Methode bevorzugt. Sogenannte „Mega-Liposuktionen“, d.h. alles Lipödem-Fett in einer Sitzung zu behandeln, werden von der Mehrheit der Experten abgelehnt. Die Risiken und die lange Abheilungszeit stehen in keinem Verhältnis zum Nutzen.

Bei gleichzeitig bestehender Adipositas (Übergewicht am Körperstamm) muss dieses vorrangig behandelt werden. Die Behandlungsmöglichkeiten reichen von kohlenhydrat-reduzierter Diät (low carb), protein-angereicherter Diät (ketogen) über Sport mit optimaler Fettverbrennung (Aquacycling, Aquajogging) bis hin zu sogenannten bariatrischen Maßnahmen (Magenballon, operative Magenverkleinerung), die an Adipositas-Zentren angeboten werden.

Über den Autor

Dr. med. Stefan Rapprich

Dr. Stefan Rapprich ist im Team der Hautmedizin Bad Soden insbesondere ausgewiesener Experte für das Thema Lipödem. Seiner Facharztausbildung für Dermatologie und Phlebologie sowie der daran anknüpfenden Tätigkeit als leitender Oberarzt an der Hautklinik Darmstadt folgte 2015 der Einstieg in die Hautmedizin Bad Soden. Daneben übte er eine Lehrtätigkeit an der TU Darmstadt aus, ist Mitglied im Prüfungsausschuß bei der Landesärztekammer Hessen und wirkte gleichzeitig an verschiedenen renommierten Kliniken. Er ist aktiv in verschiedenen medizinischen Fachgesellschaften als gefragter Referent zum Thema Lipödem und Liposuktion tätig. Er ist Vorsitzender der AG Lipödem der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie und Vorstandsmitglied der Lipödem-Gesellschaft e.V. Dr. Rapprichs Tätigkeitsschwerpunkte sind die operative Dermatologie, insbesondere die die Behandlung von Lipödem, Liposuktion, Tumorchirurgie, übermäßiges Schwitzen/Hyperhidrosis, Narbenbehandlung) und die Phlebologie, d.h. die Behandlung von Venenerkrankungen.

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