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Lipödem und Lymphödem – Was ist nun was?

Lipödem und Lymphödem gehen mit proteinreichen Was­sereinlagerungen in das subkutane Gewebe der Extremi­täten einher, haben aber eine ganz unterschiedliche Pathogenese. Eine Abgrenzung ist in der Regel klinisch möglich, aber es kommen diagnostisch herausfordernde Mischbilder vor. Leider kommt es dadurch häufig in der Praxis zu fehlerhaften oder gänzlich fehlenden Diagnosen. Die Folge: Bei nicht wirksamer Behandlung oder fehlender Therapie kann sich das individuelle Krankheitsbild verschlimmern.

In diesem Artikel bekommt Ihr einen Überblick, was der Unterschied zwischen Lipödem, Lipolymphödem und Lymphödem ist. Viel Spaß beim Lesen!

Beim Lipödem findet sich eine umschriebene, symmetrisch lokalisiert Vermehrung des subkutanen Fettgewe­bes der unteren Extremitäten. In etwa einem Drittel der Fälle sind zusätzlich die Arme betroffen. Dies führt zu einer Disproportion zwischen Stamm und Extremitäten. Es tritt ausschließlich bei Frauen auf und beginnt meist mit der Pubertät, aber auch nach Hormoneinnahme, Schwangerschaft oder Menopause. Der Verlauf ist stets chronisch progredient, wobei der Progress im Einzelfall nicht prognostizierbar ist. Charakteristisch ist eine gestei­gerte Druckschmerzhaftigkeit und Spontanschmerzen. Zu Beginn der Erkrankung kann die Schmerzsymptoma­tik fehlen und erst nach Jahren hinzukommen. In späteren Stadien kann ein Lymphödem hinzukommen, man nennt es dann ein Lipolymphödem. In bis zu 70 % der Fälle findet sich ein weibliches Fami­lienmitglied mit Lipödem. Diese Tatsache lässt auf eine genetische Disposition schließen. Die Tatsache lässt auf eine genetische Disposition schließen. Die Ursache ist ansonsten unbekannt. Weitere Informationen zum Lipödem findet ihr in diesem Magazinartikel: Link zu Magazinkategorie Lipödem.

Lipolymphödem? Let’s talk medicine.

In Abhängigkeit von der Schwere des Befundes kann es im Lipödem-Krankheitsverlauf zu einer sekundären Lymphabflussstörung kommen. Ein Lipolymphödem ist somit das Vorliegen eines Lipödems mit geschädigtem Lymph­drainagesystems. Obwohl in den frühen Stadien des Lipödems der Abtransport der Lymphe sogar erhöht ist und eine lymphatische Abflussbehinderung nicht besteht, kann in späteren Stadien die Kapazität des Lymphsystems erschöpft und den Mengen nicht mehr gewachsen sein. Es resultiert eine Hochvolumeninsuffizienz, d.h. die Hautdicke und Dicke der Subkutis nehmen im weiteren Verlauf zu. Im Laufe der Jahre kann es zu einer Fibrosierung des Gewebes mit Lymphangiosklerose und perilymphovaskulärer Fibrose kommen. Dies führt zu einer Abnahme der Transportkapazität. Dekompensiert das Lymphsystem, entwickelt sich das Bild des Lipolymphödems bis hin zu einer Dermatoliposklerose.  

Das Lymphödem – Definition und Diagnose

Das Lymphödem eine chronische, entzündliche Erkrankung des Interstitiums als Folge einer primären (anlagebedingten) oder sekundären (erworbenen) Schädigung des Lymph­drainagesystems. Es besteht dadurch eine mechanische Insuffizienz des Lymphsystems durch Ein­schränkung der Transportkapazität: Das Lymphsystem ist mit der anfallenden lymphpflichtigen Last überfor­dert, es kommt zu pathologisch sichtbarer Flüssigkeits­vermehrung bevorzugt im subkutanen interstitiellen Bindegewebe – dem Ödem. Im Gegensatz zu Lipödem wird das Lymphödem in vier und nicht drei Stadien eingeteilt. Mit hochauflösender Sonografie lässt sich ein Ödem nachweisen, allerdings ohne Rückschluss auf dessen Genese. Zur diagnostischen Abklärung kann unter Umständen eine CT- oder MRT-Untersuchung herangezogen werden. Hier wird beim Lipödem eine Verdickung der Haut und der Subkutis gesehen. Im Vergleich zum Lymphödem fehlt eine „honigwabenartige Struktur“ der Subkutis und eine Ödemansammlung.

Die unterschiedlichen Charakteristiken

Eines der Hauptkriterien zum Vergleich der beiden Erkrankungen ist, dass im Vergleich das Lipödem zum Lymphödem, Hände und Füße verdickungs- und ödemfrei bleiben. Ebenso kann ein Lymphödem auch im Stamm auftreten und es muss nicht symmetrisch sein. Einen Überblick kann aus der Tabelle entnommen werden:

 

Über den Autor

Dr. med. Stefan Rapprich

Dr. Stefan Rapprich ist im Team der Hautmedizin Bad Soden insbesondere ausgewiesener Experte für das Thema Lipödem. Seiner Facharztausbildung für Dermatologie und Phlebologie sowie der daran anknüpfenden Tätigkeit als leitender Oberarzt an der Hautklinik Darmstadt folgte 2015 der Einstieg in die Hautmedizin Bad Soden. Daneben übte er eine Lehrtätigkeit an der TU Darmstadt aus, ist Mitglied im Prüfungsausschuß bei der Landesärztekammer Hessen und wirkte gleichzeitig an verschiedenen renommierten Kliniken. Er ist aktiv in verschiedenen medizinischen Fachgesellschaften als gefragter Referent zum Thema Lipödem und Liposuktion tätig. Er ist Vorsitzender der AG Lipödem der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie und Vorstandsmitglied der Lipödem-Gesellschaft e.V. Dr. Rapprichs Tätigkeitsschwerpunkte sind die operative Dermatologie, insbesondere die die Behandlung von Lipödem, Liposuktion, Tumorchirurgie, übermäßiges Schwitzen/Hyperhidrosis, Narbenbehandlung) und die Phlebologie, d.h. die Behandlung von Venenerkrankungen.

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