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1. Mikroskopische Merkmale des Lipödem-Fetts

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Lipödem-Fett vs. normales Fett: Unterschiede im Gewebe

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19.8.2026
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Dr. med. Stefan Rapprich
Dr. med. Stefan Rapprich | Facharzt für Dermatologie
Mit bloßem Auge betrachtet, lässt sich der Unterschied zwischen normalem Fett und Lipödem-Fett nicht erkennen. Doch unter dem Mikroskop erkennt man ein paar Unterschiede und Erfahrungen aus der Praxis zeigen,
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Key Takeaways

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Dies stellt eine besondere Herausforderung für Betroffene dar, die oft feststellen, dass ihre Mühen zur Gewichtsreduktion wenig Einfluss auf das Lipödem-Fett haben.

Lässt sich durch Sport und Diäten nicht reduzieren: Aufgrund des gestörten Stoffwechsels kann das Lipödem-Fett nicht auf herkömmliche Weise durch Diäten oder Sport verringert werden.

Mit bloßem Auge betrachtet, lässt sich der Unterschied zwischen normalem Fett und Lipödem-Fett nicht erkennen. Doch unter dem Mikroskop erkennt man ein paar Unterschiede und Erfahrungen aus der Praxis zeigen, dass sich Lipödem-Fett anders verhält. 1. Mikroskopische Merkmale des Lipödem-Fetts: Im Lipödem-Fettgewebe zeigt sich unter dem Mikroskop eine leicht vermehrte

Lipödem-Fett unterscheidet sich grundlegend von normalem Körperfett: Es ist chronisch entzündet, fibrotisch vernarbt und reagiert kaum auf Diäten. Lass uns gemeinsam anschauen, was mikroskopisch in deinem Gewebe passiert und warum du keine Schuld an deinen Schmerzen trägst.
• Eine schleichende Entzündung und brüchige Blutkapillaren verursachen typische Lipödem-Schmerzen und schnelle Hämatome. • Lipödem-Fettgewebe ist stark vernarbt (fibrotisch), blockiert den Fettabbau und widersteht hartnäckig Diäten und Sport. • Östrogen triggert das unkontrollierte Zellwachstum, weshalb die Krankheit besonders häufig in der Pubertät ausbricht.

Warum Lipödem-Fett mehr ist als nur Übergewicht

Viele Frauen mit Lipödem kennen das quälende Gefühl, sich jahrelang im Kreis zu drehen. Unzählige strenge Diäten, schweißtreibende Sportprogramme und der ständige Kampf gegen die Waage führen zu keinerlei Veränderung an Beinen oder Armen. Wenn das Umfeld oder medizinisches Personal dann mit gut gemeinten, aber verletzenden Ratschlägen wie „Du musst einfach weniger essen und disziplinierter sein“ reagieren, wachsen Scham, Selbstzweifel und Frustration. Dabei liegt die Ursache keineswegs an fehlender Willenskraft, sondern an einer tiefgreifenden biologischen Realität: Das Lipödem ist eine chronische, fortschreitende Fettverteilungsstörung des Unterhautfettgewebes und hat nichts mit herkömmlichem Übergewicht zu tun.

Mit bloßem Auge lässt sich der Unterschied zwischen normalem Fettgewebe und Lipödem-Fett oft nicht sofort erkennen. Beide bestehen vordergründig aus Fettzellen, die unter der Haut liegen. Doch während sich eine normale Fettverteilung harmonisch über den gesamten Körper erstreckt und flexibel auf ein Kaloriendefizit reagiert, verhält sich Lipödem-Gewebe völlig anders. Es lagert sich typischerweise streng symmetrisch an den Beinen, Hüften und häufig auch an den Armen an, während Hände und Füße schlank bleiben. Vor allem aber unterscheidet sich das Gewebe auf mikroskopischer Ebene fundamental von gesundem Fett: Es ist entzündlich verändert, fibrotisch umgebaut und schmerzt bei Berührung.

Klarheit statt Unsicherheit: Die wichtigsten Unterschiede auf einen Blick

Um die eigene Situation besser zu verstehen und den ständigen Kampf gegen den eigenen Körper zu beenden, hilft ein wissenschaftlich fundierter Blick auf die charakteristischen Merkmale beider Gewebeformen. Das Verstehen dieser biologischen Unterschiede schenkt Klarheit statt Unsicherheit und nimmt Betroffenen die unberechtigte Schuldlast.

  • Fettverteilung: Normales Fettgewebe verteilt sich gleichmäßig am Körper oder konzentriert sich auf die Körpermitte, während Lipödem-Fett streng symmetrisch an den Extremitäten wächst und die Akren (Hände und Füße) konsequent ausspart.
  • Schmerzempfinden: Normales Fettgewebe ist völlig schmerzfrei. Lipödem-Fettgewebe zeichnet sich durch Druck-, Berührungs- und Spontanschmerzen sowie ein dauerhaftes Spannungsgefühl aus.
  • Reaktion auf Lebensstil: Normales Fettgewebe verringert sich bei einem Kaloriendefizit und sportlicher Aktivität. Lipödem-Fettgewebe ist diät- und trainingsresistent.
  • Gefäßstabilität: Während bei normalem Fettgewebe die Blutkapillaren stabil sind, neigt das Lipödem-Gewebe aufgrund brüchiger Kapillaren zu spontanen blauen Flecken ohne ersichtlichen Grund.

Wenn du bei dir diese typischen Anzeichen bemerkst, bist du nicht allein und vor allem nicht schuld. Die Schmerzen und die unproportionale Volumenzunahme sind das direkte Resultat zellulärer Veränderungen, die tief im Gewebe verborgen liegen.

Der Blick durchs Mikroskop: Vergrößerte Zellen

Schaut man sich eine Gewebeprobe unter dem Mikroskop an, werden die drastischen Unterschiede zwischen gesundem Unterhautfett und Lipödem-Gewebe unmittelbar sichtbar. Gesundes Fettgewebe besteht aus weichen, elastischen Adipozyten (Fettzellen), die in ein lockeres Netzwerk aus Bindegewebe eingebettet sind. Beim Lipödem hingegen ist die gesamte Gewebearchitektur tiefgreifend gestört.

Zellhypertrophie und unkontrollierte Vermehrung (Hyperplasie)

Im Lipödem-Gewebe laufen zwei fatale Prozesse gleichzeitig ab: Zum einen schwellen die einzelnen Fettzellen massiv an, indem sie unverhältnismäßig viele Lipide einlagern (Hypertrophie). Zum anderen teilen sich die Vorläuferzellen, die sogenannten Fettstammzellen (ADSCs), viel schneller und unkontrollierter als in gesundem Gewebe (Hyperplasie). Dies führt dazu, dass nicht nur die vorhandenen Zellen immer größer werden, sondern auch kontinuierlich neue erkrankte Fettzellen hinzukommen.

Dass dieser Prozess genetisch gesteuert wird, konnte eine umfassende molekularbiologische Studie nachweisen: In Lipödem-Fettgewebe zeigten sich im Vergleich zu Kontrollgruppen mehr als 4.400 signifikant veränderte Gene, die direkt in die Zellteilung, den Fettstoffwechsel und entzündliche Signalwege eingreifen. Insbesondere regulatorische Gene wie Bub1 sorgen dafür, dass die Stammzellen in eine Art Hyperproliferation geraten und unaufhörlich neues Fettgewebe bilden.

Fibrosierung: Wie das Bindegewebe verhärtet

Neben der reinen Zellvermehrung verändert sich auch das umliegende Stützgewebe drastisch. Durch chronische Umbauprozesse lagert der Körper vermehrt kollagene Fasern zwischen den Fettläppchen ein. Diese bindegewebige Verhärtung (Fibrose) führt dazu, dass das Gewebe seine natürliche Elastizität verliert. Es entstehen die für das Lipödem so typischen, tastbaren Knötchen unter der Haut, die sich im fortgeschrittenen Stadium zu derben Strängen und Wülsten verdichten können.

Zellgröße (Hypertrophie)Gleichmäßige Zellgröße je nach EnergiebilanzDeutlich vergrößerte, pralle Adipozyten
Zellteilung (Hyperplasie)Regulierte StammzelldifferenzierungBeschleunigte Hyperproliferation der Vorläuferzellen
GenexpressionNormales ExpressionsprofilMehr als 4.400 differentiell veränderte Gene
Bindegewebe / MatrixWeich, elastisch und homogenFortschreitende Fibrosierung mit knotiger Struktur

Diese strukturelle Verhärtung engt die feinen Nervenendigungen und Blutgefäße im Gewebe mechanisch ein, was den Weg für weitere Begleiterscheinungen wie Schmerzen und Durchblutungsstörungen ebnet.

Entzündungszellen: Der Grund für Schmerzen

Eines der belastendsten Symptome des Lipödems ist der Schmerz. Betroffene berichten von dumpfem Druckschmerz, brennenden Missempfindungen, extremer Berührungsempfindlichkeit und schweren Beinen, die sich anfühlen, als stünden sie kurz vor dem Platzen. In klinischen Erhebungen geben rund 71 % der Patientinnen ständige Druckschmerzen an. Lange Zeit wurde dieser Schmerz in der Medizin bagatellisiert. Die moderne Forschung zeigt jedoch eindeutig, dass eine chronische, schleichende Entzündung (Low-Grade-Inflammation) für dieses Leiden verantwortlich ist.

Schleichende Entzündung und Makrophagen-Infiltration

Im gesunden Fettgewebe herrscht ein immunologisches Gleichgewicht. Im Lipödem-Fettgewebe hingegen wandern vermehrt Entzündungszellen aus dem Blutkreislauf ein, allen voran sogenannte Makrophagen (Fresszellen). Diese lagern sich kranzförmig um abgestorbene oder unter Sauerstoffmangel leidende Fettzellen an (sogenannte Crown-Like Structures) und schütten kontinuierlich entzündungsfördernde Botenstoffe wie Interleukine und TNF-alpha aus.

Diese Botenstoffe reizen die feinen nozizeptiven Nervenfasern im Unterhautgewebe permanent und senken deren Reizschwelle drastisch ab. Was bei gesunder Haut eine sanfte Berührung oder ein leichter Druck ist, wird vom Nervensystem der Betroffenen als intensiver Schmerz interpretiert. Fachärzt:innen betonen daher, dass therapeutische Maßnahmen vor allem darauf abzielen müssen, diese Schmerzen zu reduzieren, anstatt rein kosmetische Ziele zu verfolgen.

Gefäßpermeabilität und grundlose Hämatome

Ein weiteres charakteristisches Merkmal ist die ausgeprägte Hämatomneigung. Bis zu 82 % der Patientinnen leiden unter blauen Flecken, die bereits bei leichtesten Berührungen oder scheinbar völlig grundlos entstehen. Die Erklärung liegt in den feinsten Blutkapillaren: Unter dem Einfluss der Entzündungsmediatoren und des Wachstumsfaktors VEGF werden die Kapillarwände brüchig, unelastisch und übermäßig durchlässig (Hyperpermeabilität). Kleinste Alltagsbewegungen reichen aus, damit rote Blutkörperchen ins umliegende Gewebe austreten und sichtbare Blutergüsse bilden.

  • Infiltration von Makrophagen: Immunzellen sammeln sich um gestresste Fettzellen und feuern entzündliche Botenstoffe ab.
  • Reizung freier Nervenendigungen: Entzündungsmediatoren sensibilisieren Schmerzrezeptoren, was zu Berührungs- und Druckschmerzen führt.
  • Kapillarbrüchigkeit: Erhöhte Gefäßdurchlässigkeit lässt Blutgefäße leicht einreißen und erzeugt grundlose Hämatome.
  • Gewebekompression: Die Zunahme von Zellvolumen und Bindegewebe übt mechanischen Druck auf sensible Nervenbahnen aus.

Der Schmerz beim Lipödem ist also keine Einbildung oder Überempfindlichkeit, sondern ein biochemisch und feingeweblich messbarer Zustand, der eine gezielte medizinische Behandlung erfordert.

Ein gestörter Stoffwechsel: Diäten sind machtlos

„Nimm doch einfach ab, dann verschwinden auch die dicken Beine.“ Dieser Satz gehört zu den schmerzhaftesten Mythen, mit denen Frauen mit Lipödem täglich konfrontiert werden. Er zeugt von Unwissenheit über die komplexe Stoffwechselstörung, die im Lipödem-Fettgewebe vorliegt. Hier gilt das Motto: Wissen statt Überforderung. Denn das erkrankte Gewebe unterliegt gänzlich anderen biologischen Gesetzmäßigkeiten als gesundes Speicherfett.

Die biochemische Einbahnstraße der Lipödem-Fettzellen

Gesundes Fettgewebe funktioniert wie ein dynamisches Energiekonto: Wenn wir dem Körper über die Nahrung mehr Kalorien zuführen, als er verbraucht, lagert er Fettsäuren in die Adipozyten ein (Lipogenese). Benötigt der Körper Energie, beispielsweise durch Sport oder ein Kaloriendefizit, schüttet er Hormone wie Adrenalin aus. Diese aktivieren Enzyme, die das gespeicherte Fett spalten und zur Energiegewinnung ins Blut abgeben (Lipolyse).

Im Lipödem-Fettgewebe ist diese Balance komplett zerstört. Auf zellulärer Ebene zeigt sich eine veränderte Lipidzusammensetzung und ein massiv gestörter Metabolismus. Die Zellen nehmen Fette bereitwillig auf, reagieren jedoch kaum noch auf lipolytische Reize. Zudem behindert das dichte Geflecht aus fibrotischem Narbengewebe die Durchblutung und den Transport von abbauenden Enzymen. Das Fett ist im wahrsten Sinne des Wortes im Gewebe gefangen.

Warum Diäten das Problem sogar verschärfen können

Wenn eine Frau mit Lipödem eine strikte Diät einhält oder exzessiv trainiert, greift der Körper zwangsläufig auf das gesunde Fettgewebe zurück. Fett schmilzt im Gesicht, am Dekolleté, an den Rippen und am Bauch, während das Lipödem-Gewebe an Oberschenkeln, Waden oder Oberarmen unverändert bleibt. Die Folge ist eine noch extremere Disproportion der Silhouette, die oft zu tiefer Resignation führt.

  • Rezeptor-Resistenz: Die Adipozyten im Lipödem sprechen signifikant schlechter auf Fettabbau-Signale an.
  • Fibrotische Barriere: Das verhärtete Bindegewebe erschwert den enzymatischen Fettabbau und drosselt den Abtransport über die Blutbahn.
  • Veränderte Lipidomik: Mehr als 900 Veränderungen in der Fettzusammensetzung erschweren die normale Fettverbrennung.
  • Verschärfte Dysproportion: Ein allgemeiner Gewichtsverlust lässt nur gesunde Fettdepots schrumpfen und verstärkt optische Unterschiede.

Auch wenn Diäten das Lipödem-Fett nicht auflösen können, bedeutet das keineswegs, dass gesunde Ernährung nutzlos ist. Eine antientzündliche Kost und gelenkschonende Bewegung können helfen, Entzündungsreize zu mildern, Begleitödeme zu entlasten und die allgemeine Lebensqualität spürbar zu verbessern.

Pubertät und Schwangerschaft: Die Rolle der Hormone

Dass das Lipödem fast ausschließlich Frauen betrifft und sich typischerweise in bestimmten Lebensphasen erstmals bemerkbar macht oder sprunghaft verschlechtert, ist ein klarer Hinweis auf die zentrale Rolle weiblicher Geschlechtshormone. Vor allem Phasen gravierender hormoneller Umstellungen wirken wie ein biologischer Katalysator auf das erkrankte Unterhautfettgewebe.

Hormonelle Umbruchphasen als Trigger

Wissenschaftliche Übersichtsarbeiten belegen, dass die Erstmanifestation oder Verschlimmerung der Symptome eng an hormonelle Meilensteine wie Pubertät, Schwangerschaft und Wechseljahre gekoppelt ist. In einer landesweiten US-Befragung von 707 Frauen mit Lipödem traten die Beschwerden am häufigsten in der Pubertät auf (48,0 %), gefolgt von Schwangerschaft (41,2 %) und Wechseljahren (33,2 %). Ältere Erhebungen kommen zu ähnlichen Mustern: Auch dort begann die Erkrankung bei der Mehrheit der Betroffenen in der Pubertät.

Dass Männer nur in extrem seltenen Ausnahmefällen erkranken, und dann fast ausschließlich im Zusammenhang mit schweren Leberschäden oder Testosteronmangel (Zustände mit relativ hohem Östrogen- und niedrigem Testosteronspiegel), unterstreicht die hormonelle Abhängigkeit zusätzlich.

Östrogensensitivität und Rezeptor-Dysbalance

Auf molekularer Ebene reagiert das Lipödem-Gewebe hypersensibel auf Östrogen. Laboruntersuchungen zeigen, dass Östradiol die Differenzierung von Fettstammzellen anregt und den zentralen Fettbildungsfaktor PPAR-gamma-2 sowie den Östrogenrezeptor ER-alpha in Lipödem-Zellen signifikant hochreguliert. Zudem weisen betroffene Zellen veränderte Dichten an Östrogenrezeptoren (ER-alpha und ER-beta) sowie fehlerhaft arbeitende Enzyme des Östrogenstoffwechsels auf. Die aktuelle Studienlage legt nahe, dass Östrogen nicht nur das Zellwachstum stimuliert, sondern auch direkt in die bindegewebige Umstrukturierung eingreift.

  • Pubertät (48,0 % der Befragten): Hormonelle Reifung und erster starker Anstieg von Östrogen aktivieren das krankhafte Zellwachstum.
  • Schwangerschaft & Stillzeit (41,2 %): Extreme Hormonspitzen und veränderte Gewebeelastizität triggern häufig eine spürbare Verschlimmerung.
  • Wechseljahre (33,2 %): Hormonelle Dysbalancen und Östrogenschwankungen können späte Krankheitsschübe auslösen.
  • Rezeptor-Aktivierung: Östradiol steigert die Expression adipogener Faktoren und fördert die Volumenzunahme der Fettzellen.

Dieses Wissen hilft enorm, um zu verstehen, warum die Erkrankung oft plötzlich und ohne eigenes Verschulden in einer Lebensphase einsetzt, in der der weibliche Körper ohnehin tiefgreifenden Veränderungen unterworfen ist.

Flüssigkeit im Gewebe: Das Lymphsystem

Obwohl der Begriff „Lipödem“ das Wort Ödem (Flüssigkeitsansammlung) enthält, ist die Erkrankung primär eine Fettverteilungsstörung und kein primäres Lymphödem. Dennoch spielt das Lymphsystem im Verlauf der Erkrankung eine entscheidende Rolle und trägt maßgeblich dazu bei, dass sich die Beine oder Arme gegen Abend schwer, geschwollen und prall anfühlen.

Gefäßlecks und interstitielle Flüssigkeitslast

Wie im Abschnitt über Entzündungszellen beschrieben, sind die kleinsten Blutgefäße im Lipödem-Gewebe chronisch durchlässig. Dadurch tritt kontinuierlich vermehrt proteinreiche Flüssigkeit aus dem Gefäßsystem in das umliegende Zwischenzellgewebe (Interstitium) aus. In einem gesunden Körper transportieren die Lymphbahnen diese Flüssigkeit problemlos wieder ab.

Beim Lipödem kommt es jedoch zu einer doppelten Belastung: Einerseits entsteht durch die undichten Kapillaren deutlich mehr Gewebeflüssigkeit, andererseits bindet die veränderte extrazelluläre Matrix über Glykosaminoglykane (GAGs) und Natrium enorme Mengen Wasser. Dieses gebundene Wasser verleiht dem Gewebe seine typische gallertartige Konsistenz.

Vom funktionellen Engpass zur Lymphüberlastung

Mit fortschreitendem Volumenwachstum und zunehmender Fibrose werden die empfindlichen Lymphkollektoren zusätzlich mechanisch komprimiert. Das Lymphsystem arbeitet permanent an seiner Kapazitätsgrenze (Sicherheitsventilfunktion). Im Laufe des Tages, begünstigt durch langes Stehen oder Sitzen und sommerliche Hitze, entsteht ein sogenanntes orthostatisches Begleitödem. Bleibt das Lipödem über Jahre unbehandelt, kann diese chronische Überlastung das Lymphsystem dauerhaft schädigen und in ein sekundäres Lipo-Lymphödem übergehen. Daher ist es so wichtig, die Symptome frühzeitig zu erkennen und gegenzusteuern.

  • Erhöhte Kapillarfiltration: Brüchige Blutgefäße lassen ständig Flüssigkeit und Proteine ins Interstitium austreten.
  • Wasserbindung in der Matrix: Sulfatierte Glykosaminoglykane binden Natrium und Wasser im Gewebe.
  • Mechanische Kompression: Anschwellende Fettläppchen und Bindegewebsstränge drücken auf feine Lymphgefäße.
  • Orthostatische Schwellung: Das Lymphsystem gerät an seine Leistungsgrenze, was zu tageszeitlichen Spannungsschwellungen führt.

Konservative Therapiemaßnahmen wie medizinische Kompression und Bewegung unterstützen das Lymphsystem gezielt dabei, diese Flüssigkeitslast abzutransportieren und den Gewebedruck spürbar zu senken.

Dein Weg zu einer gesicherten Diagnose

Die wissenschaftlichen Erkenntnisse über die Biologie des Lipödem-Fettgewebes machen eines unmissverständlich klar: Deine Beschwerden sind real, medizinisch belegbar und keinesfalls das Ergebnis mangelnder Disziplin. Dieses Wissen ist der erste und wichtigste Schritt, um aus der Spirale aus Selbstvorwürfen und Überforderung auszubrechen. Doch Wissen allein reicht nicht aus, um deinen Alltag zu erleichtern; du brauchst eine gesicherte Diagnose und einen klaren medizinischen Fahrplan.

Struktur statt Überforderung: Deine digitale Unterstützung

Viele Betroffene müssen im Durchschnitt mehrere Jahre und unzählige enttäuschende Arztbesuche über sich ergehen lassen, bis sie endlich eine korrekte Diagnose erhalten. Um diesen langwierigen und frustrierenden Weg abzukürzen, steht dir die LipoCheck App als verlässliche Begleiterin zur Seite. Mit der App kannst du deine Symptome, Schmerztagebücher und körperlichen Veränderungen strukturiert erfassen und fundiertes Wissen über die Erkrankung aufbauen.

Ein zentraler Baustein ist der DocReport: Über diese telemedizinische Funktion kannst du deine Daten und standardisierte Fotos sicher hochladen. Qualifizierte Fachärzt:innen analysieren deine Angaben und erstellen innerhalb kurzer Zeit einen fundierten fachärztlichen Bericht inklusive konkreter Therapieempfehlungen. Dieser Befundbericht dient dir als verlässliche Grundlage für das weitere Gespräch mit deinen behandelnden Ärzt:innen vor Ort, für die Verordnung von Kompressionsstrümpfen oder für Anträge bei der Krankenkasse.

  1. Symptome strukturiert erfassen: Nutze die LipoCheck App, um deine Beschwerden, Schmerzintensitäten und Trigger systematisch zu dokumentieren.
  2. Fachärztliche Telediagnose nutzen: Fordere über den DocReport eine unabhängige Ersteinschätzung von spezialisierten Fachärzt:innen an.
  3. Konservative Therapie starten: Beginne mit gezielter Kompression, antientzündlicher Ernährung und bewegungstherapeutischen Maßnahmen, um das Gewebe zu entlasten.
  4. Langfristige Lebensqualität sichern: Nutze fundiertes Wissen und professionelle Begleitung, um Schritt für Schritt wieder Kontrolle über deinen Körper zu gewinnen.

Du musst diesen Weg nicht allein gehen. Mit der richtigen Unterstützung, medizinischer Klarheit und einem ganzheitlichen Therapiekonzept lässt sich das Lipödem wirksam managen, damit du wieder zu mehr Lebensqualität, Schmerzlinderung und Selbstbestimmung findest.

Quellen

  1. [1] pmc.ncbi.nlm.nih.gov
  2. [2] pmc.ncbi.nlm.nih.gov
  3. [3] ncbi.nlm.nih.gov
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  6. [6] pmc.ncbi.nlm.nih.gov
  7. [7] nature.com
  8. [8] journals.lww.com

FAQ

Sieht man den Unterschied zwischen Lipödem-Fett und normalem Fett?

Mit bloßem Auge lässt sich normales Fett von Lipödem-Fettgewebe nicht auf Anhieb unterscheiden. Erst unter dem Mikroskop zeigen sich die massiven, krankhaften Veränderungen: Die Fettzellen sind deutlich vergrößert (Hypertrophie), vermehrt und von hartem, knotigem Bindegewebe (Fibrose) sowie speziellen Entzündungszellen umgeben.

Warum schmerzt mein Lipödem-Fettgewebe so stark?

Die ständigen Schmerzen entstehen durch eine chronische, schleichende Entzündung im Lipödem-Gewebe. Dort ansässige Entzündungszellen (Makrophagen) und die kontinuierlich austretende Flüssigkeit aus brüchigen Blutgefäßen üben permanenten Druck auf das Gewebe und die sensiblen Nervenbahnen aus. Das spürst du im Alltag als bohrenden Druckschmerz und starke Berührungsempfindlichkeit.

Warum bekomme ich so schnell blaue Flecken an den Beinen?

Im Lipödem-Fettgewebe ist die Struktur der feinen Blutgefäße (Kapillaren) stark beeinträchtigt. Sie sind wesentlich durchlässiger und deutlich brüchiger als in gesundem Gewebe, was Mediziner als Mikroangiopathie bezeichnen. Deshalb reicht bei betroffenen Frauen oft schon ein winziger, unbemerkter Stoß aus, um schmerzhafte Hämatome (blaue Flecken) entstehen zu lassen.

Kann ich das kranke Lipödem-Fett durch Diäten verbrennen?

Leider nein. Das stark vernarbte (fibrotische) und chronisch entzündete Lipödem-Gewebe weist einen gestörten Zellstoffwechsel auf und verschließt sich dem normalen Fettabbau nahezu komplett. Selbst wenn du durch strenge Diäten oder intensiven Sport an anderen Körperstellen erfolgreich abnimmst, bleibt das erkrankte Lipödem-Fett an Beinen und Armen hartnäckig resistent.

Welche Rolle spielen Hormone bei der Entstehung von Lipödem-Fett?

Lipödem-Fett reagiert extrem sensibel auf das weibliche Geschlechtshormon Östrogen. Starke hormonelle Umstellungsphasen im Leben einer Frau wirken wie ein Zündfunke, der das unkontrollierte Wachstum der Fettzellen anregt. In Befragungen berichtet knapp die Hälfte der Betroffenen, dass die Beschwerden in der Pubertät begannen, aber auch Schwangerschaften oder die Wechseljahre sind typische Auslöser.

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