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Lipödem und Hormone: Einfluss, Triggerfaktoren und Diagnose

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7.9.2026
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Dr. med. Stefan Rapprich
Facharzt für Dermatologie, Spezialist in Phleobologie & Medical Advisor
Hormone spielen beim Lipödem eine zentrale Rolle. Besonders Umbruchphasen wie Pubertät, Schwangerschaft und Menopause gelten als starke Triggerfaktoren. Erfahre hier, was die aktuelle Forschung sagt und wie du mit klarer Diagnose und Struktur deine Lebensqualität verbesserst.
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Key Takeaways

Studien deuten auf einen Zusammenhang zwischen Östrogen und Lipödem hin, was hormonelle Veränderungen als Triggerfaktoren identifiziert.
GLP-1-Medikamente werden erforscht, sind aber keine Standardtherapie. Die S2k-Leitlinie betont eine umfassende Behandlung.
Mit dem DocReport erhältst du eine fachärztliche Telediagnose mit konkreten Behandlungsempfehlungen, die deinem Hausarzt als Grundlage dienen kann.

Viele Frauen mit Lipödem berichten von einer Verschlimmerung ihrer Symptome während hormoneller Veränderungen wie der Pubertät oder Schwangerschaft. Tatsächlich deuten aktuelle Studien darauf hin, dass Hormone, insbesondere Östrogen, eine entscheidende Rolle bei der Entstehung und dem Verlauf des Lipödems spielen könnten. Eine Studie von da Costa Viana (2025) deutet auf eine Verbindung zwischen Östrogenrezeptoren und Lipödem hin. Aber was bedeutet das konkret für dich? Und welche anderen Faktoren spielen eine Rolle? In diesem Artikel erfährst du, welche Hormone im Verdacht stehen, das Lipödem zu beeinflussen, welche wissenschaftlichen Erkenntnisse es gibt und welche Therapieansätze aktuell erforscht werden. Wir beleuchten die komplexen Zusammenhänge und geben dir konkrete Informationen an die Hand, damit du informierte Entscheidungen treffen kannst.

Eine einfühlsame Darstellung einer Frau, die sich über Lipödem und den Einfluss von Hormonen informiert, um Klarheit und Struktur in ihren Therapiealltag zu bringen. · KI-generiert
Eine einfühlsame Darstellung einer Frau, die sich über Lipödem und den Einfluss von Hormonen informiert, um Klarheit und Struktur in ihren Therapiealltag zu bringen. · KI-generiert

Wichtige Erkenntnisse

  • Hormonelle Umbrüche wie Pubertät, Schwangerschaft und Menopause wirken als Triggerfaktoren beim Lipödem.
  • Das Lipödem wird in 4 biologische Pfade unterteilt, wobei die Rolle von Östrogen als zentraler Treiber intensiv erforscht wird.
  • Die aktuelle S2k-Leitlinie (umfasst 13 Kapitel, Januar 2024) fokussiert sich auf Kompression, Bewegung, Ernährung und Liposuktion.
  • GLP-1-Medikamente sind aktuell keine Standardtherapie, werden aber in Studien auf mögliche symptomlindernde Effekte geprüft.
  • Der DocReport und der LipoGuide in der LipoCheck-App bieten dir wertvolle Struktur und klare Orientierung für deinen Diagnoseweg.

Der Einfluss von Hormonen auf das Lipödem

Stand der Angaben: 15.04.2026. Fachliche Grundlage ist die S2k-Leitlinie Lipödem der AWMF, Januar 2024, die dort als Version 5.0 mit Stand 22.01.2024 und Gültigkeit bis 21.01.2029 geführt wird[1]. Wenn du dich fragst, warum sich deine Beine oder Arme trotz ausgewogener Ernährung und regelmäßiger Bewegung schwer anfühlen, spannen oder schmerzen, bist du nicht allein. Das Lipödem ist eine chronische, fortschreitende Fettverteilungsstörung, die fast ausschließlich Frauen betrifft. Diese geschlechtsspezifische Häufung legt seit Langem die Vermutung nahe, dass weibliche Geschlechtshormone, allen voran Östrogene, eine zentrale Rolle bei der Krankheitsentstehung spielen.

Östrogene steuern im weiblichen Körper nicht nur den Zyklus und die Fortpflanzung, sondern beeinflussen maßgeblich den Fettstoffwechsel, die Verteilung von Depotfett und die Durchlässigkeit der feinen Blut- und Lymphkapillaren. Im subkutanen Fettgewebe binden Östrogene an spezifische Östrogenrezeptoren (vor allem ER-alpha und ER-beta). Bei Betroffenen scheinen Signalwege dieser Rezeptoren verändert zu sein, was zu einer verstärkten Vermehrung (Hyperplasie) und Vergrößerung (Hypertrophie) von Fettzellen führt. Gleichzeitig begünstigen hormonelle Schwankungen eine erhöhte Gefäßdurchlässigkeit, wodurch vermehrt Flüssigkeit in das umliegende Zwischenzellgewebe austritt und Schwellungen sowie ein unangenehmes Spannungsgefühl verstärkt werden.

Warum eine Hormontherapie das Lipödem nicht heilt

Aus diesem biologischen Zusammenhang entsteht verständlicherweise oft die Hoffnung, dass die Gabe oder Blockade bestimmter Hormone das Problem an der Wurzel beseitigen könnte. Doch hier ist medizinische Ehrlichkeit wichtig: Eine reine Hormontherapie kann ein Lipödem nicht heilen. Zwar können hormonelle Faktoren Schübe begünstigen, das krankhaft veränderte Fettgewebe bildet sich durch eine Regulierung des Hormonspiegels jedoch nicht von selbst zurück. Ziel jeder evidenzbasierten Behandlung bleibt daher ein ganzheitlicher Ansatz, der auf Schmerzreduktion, den Erhalt der Beweglichkeit und eine spürbare Steigerung deiner Lebensqualität ausgerichtet ist.

  • Östrogene steuern die Differenzierung von Präadipozyten zu reifen Fettzellen im Unterhautgewebe.
  • Veränderte Rezeptordichten begünstigen eine lokale Vermehrung von Fettgewebe an Beinen und Armen.
  • Erhöhte Kapillardurchlässigkeit fördert Schwellungsneigung und Orthostase-Beschwerden.
  • Eine isolierte Hormongabe ersetzt keine multimodale Lipödem-Therapie, sondern erfordert ein strukturiertes Gesamtkonzept.

Hormonelle Veränderungen als Triggerfaktoren

Frauen berichten in der Praxis sehr häufig, dass ihre ersten Symptome oder deutliche Krankheitsschübe in Phasen starker hormoneller Umstellungen aufgetreten sind. Diese biologischen Übergangsphasen wirken als Triggerfaktoren, die einen latenten Zustand aktivieren oder bestehende Beschwerden spürbar verstärken können, ohne jedoch die alleinige Ursache der Erkrankung zu sein.

Typische Umbruchphasen im Leben von Frauen

Drei Lebensphasen stehen im klinischen Alltag besonders im Vordergrund: die Pubertät, eine Schwangerschaft sowie die Wechseljahren. In der Pubertät sorgt der sprunghafte Anstieg weiblicher Sexualhormone für die Ausbildung des typisch gynoiden Fettverteilungsmusters, bei dem sich erste Dysbalancen manifestieren können. Während einer Schwangerschaft führen veränderte Progesteron- und Östrogenspiegel sowie das erhöhte Blutvolumen zu zusätzlichem Gewebedruck. Die Menopause markiert schließlich 1 kritischer Wendepunkt im Krankheitsverlauf, da der Abfall von Östrogen und die Verschiebung des Verhältnisses zu Androgenen tiefgreifende Umbauprozesse im subkutanen Fettgewebe und im Gefäßsystem anstoßen.

Wissenschaftler:innen wie Al-Ghadban et al. (2023) haben in ihren Untersuchungen zur Charakterisierung von Lipödem-Stadien die Bedeutung dieser hormonellen Phasen hervorgehoben und analysiert, wie Schmerz, Wasserhaushalt und Fettgewebsstruktur miteinander interagieren. Ein Scoping Review zu Lipödem und gynäkologischen Erkrankungen fasst Kohortendaten zusammen, nach denen 62,2 bis 72,0 Prozent der Betroffenen einen Symptombeginn in Pubertät oder Adoleszenz angeben, 53,0 Prozent eine Verschlechterung während der Schwangerschaft und 67,9 Prozent ein Fortschreiten im Menopauseübergang[2]. Auch wenn die morphologische Typisierung nach Al-Ghadban et al. noch nicht als offizieller Standard in den medizinischen Leitlinien verankert ist, liefert sie wertvolle Einblicke in die Dynamik des Gewebes.

Hormonelle PhaseAnteil der Betroffenen mit Beginn bzw. VerschlechterungAuswirkung auf das Gewebe
Pubertät62,2 bis 72,0 Prozent berichten Symptombeginn in Pubertät oder AdoleszenzErstmanifestation der Dysproportion, beginnende Berührungsempfindlichkeit
Schwangerschaft53,0 Prozent berichten eine Verschlechterung der SymptomeVerstärkte Flüssigkeitseinlagerung, Spannungsgefühl, mögliche Schübe
Menopause67,9 Prozent berichten ein Fortschreiten im MenopauseübergangVeränderte Fettverteilung, Zunahme von Fibrosen und chronischen Schmerzen

Aktuelle Forschung zu hormonellen Ursachen

Die moderne Lipödem-Forschung betrachtet die Erkrankung heute nicht mehr als isoliertes kosmetisches Problem, sondern als komplexes Zusammenspiel mehrerer biologischer Prozesse. Ein systematischer Review zum Einfluss von Hormonen auf die Lipödem-Entwicklung wertete 15 Publikationen aus und ordnet die diskutierten Krankheitsmechanismen vier pathophysiologischen Hypothesen zu: einem allgemeinen hormonellen Ungleichgewicht, Veränderungen im Wachstumshormonhaushalt, metabolischen Störungen in Fettstammzellen und Adipokinen sowie Veränderungen des Östrogenstoffwechsels und der Östrogenrezeptor-Funktion[3]. Daraus ergibt sich das heute geläufige Bild: genetische Veranlagung, hormonelle Signalübertragung, endotheliale Dysfunktion mit chronischer Entzündung sowie eine gestörte Adipogenese und Fibrosierung des Bindegewebes.

Lipödem als hormonell geprägtes Krankheitsbild

Einen bedeutenden Beitrag zur wissenschaftlichen Einordnung lieferte die Arbeit von da Costa Viana (2025), die das Lipödem als hormonell beeinflusste gynäkologische Erkrankung beschreibt und die Menopause als kritischen Wendepunkt im Krankheitsverlauf modelliert[4]. In dieser Modellierung wird aufgezeigt, wie Störungen im lokalen Östrogenstoffwechsel (intrakrine Hormonwirkung) und eine verschobene Balance der Östrogenrezeptoren (Überwiegen von ER-beta gegenüber ER-alpha) Entzündungsprozesse im Fettgewebe anheizen und die Umwandlung von gesundem Gewebe in schmerzhaftes, fibrotisches Bindegewebe beschleunigen. Neben den Hormonen spielen genetische Ursachen eine tragende Rolle, was die familiäre Häufung bei vielen Betroffenen erklärt.

Immer wieder wird in Foren und sozialen Medien diskutiert, ob auch chronischer Stress und das Stresshormon Cortisol für Schübe verantwortlich sind. Hier sorgt die Wissenschaft für Klarheit statt Mythen: Obwohl anhaltender psychosozialer Stress das allgemeine Schmerzempfinden verstärken und das Immunsystem belasten kann, fehlt bislang ein direkter wissenschaftlicher Beweis dafür, dass Stresshormone isoliert das Fortschreiten des Lipödems antreiben.

  1. Genetische Prädisposition: Vererbbare Faktoren beeinflussen die Anfälligkeit des Gefäß- und Fettgewebes.
  2. Hormonelle Signalwege: Östrogenrezeptoren modulieren Fettzellreifung und lokale Entzündungsmediatoren.
  3. Mikrozirkulationsstörung: Erhöhte Kapillardurchlässigkeit führt zu Mikroödemen und Gewebehypoxie.
  4. Fibrose und Umbau: Chronische Entzündungsreaktionen führen zu knotigen Verhärtungen im Unterhautfettgewebe.

GLP-1-Medikamente und Lipödem: Was Studien zeigen

In den vergangenen Monaten haben Inkretin-Mimetika - umgangssprachlich oft als Abnehmspritzen bezeichnet - große Aufmerksamkeit erlangt. Wirkstoffe aus der Gruppe der GLP-1-Rezeptor-Agonisten (wie Semaglutid) und duale Agonisten (wie Tirzepatid) revolutionieren derzeit die Behandlung von Adipositas und Typ-2-Diabetes. Doch welche Rolle können diese Präparate beim Lipödem spielen?

Differenzierte Studienlage ohne Heilungsversprechen

Erste Pilotuntersuchungen und Fallserien zeigen interessante Beobachtungen. In einer italienischen Fallserie von Patton et al. (2025) wurden fünf Frauen mit Lipödem und Insulinresistenz über drei bis sechs Monate mit dem GLP-1-Rezeptor-Agonisten Exenatid behandelt; in vier von fünf Fällen sank das Körpergewicht, vor allem in den ersten drei Monaten und bei stärkerer metabolischer Beeinträchtigung[5]. Diskutiert wird, dass GLP-1-Rezeptor-Agonisten nicht nur das Hungerzentrum im Gehirn dämpfen, sondern auch entzündungshemmend auf das Fettgewebe wirken könnten[6]. Belastbare Aussagen zur Schmerzkontrolle beim Lipödem lassen die kleinen Fallzahlen jedoch noch nicht zu.

Gleichzeitig ist eine sachliche Einordnung unerlässlich: GLP-1-Medikamente sind aktuell nicht als Standardtherapie für das Lipödem zugelassen oder leitliniengestützt empfohlen. Sie können bestehendes Lipödem-Fettgewebe nicht selektiv auflösen. Für betroffene Frauen mit begleitender Adipositas oder manifester Insulinresistenz können sie jedoch nach fachärztlicher Abwägung ein unterstützender Baustein sein, um metabolische Begleiterkrankungen zu behandeln und die Belastung auf die Gelenke zu verringern.

  • GLP-1-Rezeptor-Agonisten sind keine spezifische, zugelassene Lipödem-Monotherapie.
  • Mögliche positive Effekte auf Entzündungen und Schmerzempfinden werden derzeit in Studien intensiv erforscht.
  • Bei vorliegender Adipositas oder Insulinresistenz kann eine Begleitbehandlung das allgemeine Wohlbefinden verbessern.
  • Eine medikamentöse Therapie ersetzt weder Kompression noch Bewegung oder operative Maßnahmen.

Die S2k-Leitlinie und zukünftige Therapieansätze

Um Betroffenen und Behandler:innen einen verlässlichen, evidenzbasierten Orientierungsrahmen zu bieten, wurde die S2k-Leitlinie Lipödem von der AWMF, Januar 2024, in einer umfassend überarbeiteten Fassung veröffentlicht. Das Dokument umfasst 13 Kapitel und bündelt den aktuellen Konsens führender medizinischer Fachgesellschaften.

Die 4 Säulen des leitliniengerechten Managements

Die Leitlinie definiert ein multimodales Therapiekonzept, das individuell auf die Beschwerden der Patientin abgestimmt wird. Dieses stützt sich auf vier zentrale Säulen: medizinische Kompressionstherapie zur Schmerzlinderung und Gewebestabilisierung, gezielte Bewegungstherapie (insbesondere im Wasser oder unter Kompression), eine entzündungshemmende, isokalorische Ernährung sowie die Liposuktion in spezialisierten Zentren, wenn konservative Maßnahmen keine ausreichende Linderung bringen.

Obwohl hormonelle Einflüsse in der klinischen Praxis allgegenwärtig sind, bildet die aktuelle Leitlinie noch keine detaillierten hormonellen Eingriffe als Standardempfehlung ab. Der Grund dafür liegt in der strengen Evidenzprüfung: Bislang existieren keine ausreichend großen, randomisierten klinischen Studien, die den Nutzen spezifischer Hormonblocker oder Hormongaben belegen. Zukünftige Therapieansätze erforschen jedoch intensiv zielgerichtete Moleküle, die an Östrogenrezeptoren, Entzündungskaskaden oder Gewebefibrosen ansetzen, um betroffenen Frauen in kommenden Jahren noch präzisere Behandlungsoptionen zu eröffnen.

TherapiesäuleZielsetzungPraktische Umsetzung
KompressionstherapieSchmerzlinderung, Reduktion von Druckgefühl, GewebestützungFlachstrick-Kompressionsversorgung (nach Maß gefertigt)
Bewegung & SportAktivierung der Muskelpumpe, Gelenkmobilität, SchmerzdistraktionGelenkschonende Sportarten wie Aquafitness, Schwimmen, Walking
ErnährungstherapieVermeidung von Begleitadipositas, Dämpfung von EntzündungsprozessenAnti-entzündliche, vollwertige und blutzuckerstabile Kostformen
LiposuktionDauerhafte Volumenreduktion, Schmerzlinderung, EntlastungGewebeschonende Liposuktion in Tumeszenzlokalanästhesie

Lipödem-Diagnose: Was ist wichtig?

Der Weg zur richtigen Diagnose ist für viele Frauen leider immer noch von langen Wartezeiten und Missverständnissen geprägt. Im Durchschnitt vergehen mehrere Jahre, bis Betroffene die Bestätigung erhalten, dass ihre Schmerzen keine Frage von mangelnder Disziplin sind, sondern Ausdruck einer echten Gefäß- und Fettgewebserkrankung. Umso wichtiger ist es, frühe Warnsignale des Körpers ernst zu nehmen und strukturiert abzuklären.

Klinische Kriterien und klare Differentialdiagnose

Die Diagnose eines Lipödems erfolgt primär klinisch durch eine gründliche körperliche Untersuchung und Anamnese bei erfahrenen Fachärzt:innen (wie Phlebolog:innen oder Lympholog:innen). Zu den Leitsymptomen gehören eine symmetrische, disproportionale Fettvermehrung an den Beinen und/oder Armen, ein ausgeprägtes Druck- und Berührungsgefühl, Spannungs- und Schweregefühle sowie eine Neigung zu blauen Flecken (Hämatomen) schon bei minimalen Berührungen. Füße und Hände bleiben typischerweise ausgespart (Kaliber- oder Manschettensprung).

Eine präzise Differentialdiagnose ist essenziell, um das Lipödem von anderen Krankheitsbildern abzugrenzen. Anders als bei einer reinen Adipositas liegt beim Lipödem eine ausgeprägte Schmerzsymptomatik und Berührungsempfindlichkeit vor. Im Unterschied zum primären oder sekundären Lymphödem tritt das Lipödem stets symmetrisch auf, und das sogenannte Stemmer-Zeichen an den Zehen ist in der Regel negativ (die Hautfalte über der zweiten Zehe lässt sich problemlos anheben).

MerkmalLipödemLymphödemAdipositas
SymmetrieStets seitengleich (symmetrisch)Häufig einseitig oder asymmetrischGleichmäßig generalisiert
Schmerzen / DruckempfindlichkeitTypisch, brennend, stark ausgeprägtMeist schmerzlos, eher SpannungsgefühlIn der Regel keine Gewebeschmerzen
Beteiligung von Händen / FüßenAusgespart (Manschettenphänomen)Mitbetroffen (Kastenzehen, Schwellung)Mitbetroffen (proportional)
Stemmer-ZeichenNegativ (Hautfalte abhebbar)Positiv (Hautfalte nicht abhebbar)Negativ
HämatomneigungDeutlich erhöht (Neigung zu Blutergüssen)NormalNormal

Das ärztliche Gespräch vorbereiten: Dein Weg zur Therapie

Wenn du den Verdacht hast, an einem Lipödem zu leiden, verschafft dir eine gezielte Vorbereitung auf den Arzttermin Sicherheit und Klarheit. Ärzt:innen im Praxisalltag stehen oft unter hohem Zeitdruck; je strukturierter du deine Beschwerden dokumentierst, desto fundierter kann die Diagnose gestellt werden.

Strukturiertes Symptom-Tracking und Dokumentation

Führe im Vorfeld über mindestens zwei bis vier Wochen ein Symptomtagebuch. Notiere, an welchen Tagen Schmerzen oder Schweregefühle besonders stark auftreten, ob es tageszeitliche Schwankungen gibt und wie dein Körper auf längeres Stehen, Hitze oder deinen Zyklus reagiert. Halte zudem deine Körpermaße (Umfänge von Fesseln, Waden, Oberschenkeln und Oberarmen im Verhältnis zur Taille) sowie frühere Gewichtsverläufe fest. Diese Aufzeichnungen helfen dem medizinischen Fachpersonal, das typische Beschwerdemuster schnell zu erkennen.

Digitale Unterstützung auf deinem Weg zur Diagnose

Um lange Wartezeiten auf einen Termin bei spezialisierten Fachärzt:innen zu überbrücken, bietet dir LipoCheck moderne digitale Lösungen. Mit dem DocReport kannst du deine Symptome, Maße und Fotos digital erfassen und erhältst innerhalb kurzer Zeit eine unabhängige, fachärztliche Telediagnose samt detaillierter Therapieempfehlung. Dieser Befundbericht dient als strukturierte Orientierung und kann direkt in das Gespräch mit deiner behandelnden Praxis vor Ort eingebracht werden.

In der LipoCheck App findest du zusätzlich den interaktiven LipoGuide. Dieser begleitet dich Schritt für Schritt auf dem Weg zur Kostenübernahme für konservative Behandlungen und zeigt dir transparent, welche medizinischen Nachweise für einen Antrag auf Liposuktion bei deiner gesetzlichen Krankenkasse (GKV) gemäß den Vorgaben des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) erforderlich sind. So wandelst du Unsicherheit in konkrete Handlungsschritte um und nimmst dein Gesundheitsmanagement selbstbewusst in die Hand.

  • Symptomtagebuch führen: Notiere Schmerzskala (1 bis 10), Schweregefühl und tageszeitliche Zunahme.
  • Befunde sammeln: Bringe frühere Arztberichte, Schilddrüsenwerte oder Venenuntersuchungen mit.
  • Fragenkatalog notieren: Formuliere vorab deine wichtigsten Fragen zu Kompression, Physiotherapie und Reha.
  • DocReport nutzen: Fachärztliche Ersteinschätzung als strukturierte Vorbereitung für deinen Praxistermin.
  • LipoGuide anwenden: Checklisten für den Dialog mit Ärzt:innen und der Krankenkasse gezielt nutzen.

Quellen

  1. register.awmf.org
  2. pmc.ncbi.nlm.nih.gov
  3. link.springer.com
  4. pmc.ncbi.nlm.nih.gov
  5. pmc.ncbi.nlm.nih.gov
  6. pmc.ncbi.nlm.nih.gov

FAQ

Kann eine Hormontherapie mein Lipödem heilen?

Nein, eine Hormontherapie kann das Lipödem nicht heilen. Hormone wie Östrogen spielen zwar eine Rolle bei der Entstehung und Verschlechterung, aber sie sind nicht der alleinige Auslöser. Ein ganzheitliches Therapiekonzept bringt dir langfristig mehr Lebensqualität.

Verschlechtert sich das Lipödem in der Schwangerschaft?

Eine Schwangerschaft ist eine starke hormonelle Umbruchphase, die bei vielen Patientinnen als Triggerfaktor wirkt. Viele Frauen bemerken in dieser Zeit einen Schub oder eine Verschlechterung der Schmerzen. Konsequente Kompression und Bewegung helfen, die Beschwerden in dieser Phase zu lindern.

Haben Anti-Baby-Pillen einen Einfluss auf das Lipödem?

Orale Kontrazeptiva greifen direkt in den Hormonhaushalt ein und können bei einigen Frauen bestehende Lipödem-Symptome triggern oder verstärken. Es ist wichtig, dies ganz individuell mit deinen behandelnden Fachärzt:innen zu besprechen, um Klarheit statt Unsicherheit zu schaffen.

Löst chronischer Stress hormonelle Schübe beim Lipödem aus?

Es gibt aktuell keinen direkten wissenschaftlichen Beweis dafür, dass chronischer Stress das Lipödem spezifisch über den Hormonspiegel verschlechtert. Dennoch kann Stress das allgemeine Schmerzempfinden verstärken und die Lebensqualität negativ beeinflussen, weshalb Stressmanagement sehr sinnvoll ist.

Helfen bestimmte Diäten, den Hormonhaushalt bei Lipödem zu regulieren?

Ernährung allein heilt kein Lipödem und reguliert auch nicht isoliert die hormonellen Triggerfaktoren. Eine antientzündliche Ernährung kann aber helfen, das allgemeine Wohlbefinden zu verbessern und eine koinzidente Adipositas zu vermeiden, was ein wichtiger Baustein in deinem Therapiekonzept ist.