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Hormone und Lipödem: Welche Rolle spielen sie wirklich?

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13.5.2026
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Dr. med. Stefan Rapprich
Facharzt für Dermatologie, Spezialist in Phleobologie & Medical Advisor
Deine Körperform verändert sich, Diäten helfen nicht und du fühlst dich unwohl? Hormonelle Schwankungen könnten eine Rolle spielen. Erfahre hier, wie Hormone das Lipödem beeinflussen und welche Therapieansätze es gibt.
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Key Takeaways

Studien deuten auf einen Zusammenhang zwischen Östrogen und Lipödem hin, was hormonelle Veränderungen als Triggerfaktoren identifiziert.
GLP-1-Medikamente werden erforscht, sind aber keine Standardtherapie. Die S2k-Leitlinie betont eine umfassende Behandlung.
Mit dem DocReport erhältst du eine fachärztliche Telediagnose mit konkreten Behandlungsempfehlungen, die deinem Hausarzt als Grundlage dienen kann.

Viele Frauen mit Lipödem berichten von einer Verschlimmerung ihrer Symptome während hormoneller Veränderungen wie der Pubertät oder Schwangerschaft. Tatsächlich deuten aktuelle Studien darauf hin, dass Hormone, insbesondere Östrogen, eine entscheidende Rolle bei der Entstehung und dem Verlauf des Lipödems spielen könnten. Eine Studie von da Costa Viana (2025) deutet auf eine Verbindung zwischen Östrogenrezeptoren und Lipödem hin. Aber was bedeutet das konkret für dich? Und welche anderen Faktoren spielen eine Rolle? In diesem Artikel erfährst du, welche Hormone im Verdacht stehen, das Lipödem zu beeinflussen, welche wissenschaftlichen Erkenntnisse es gibt und welche Therapieansätze aktuell erforscht werden. Wir beleuchten die komplexen Zusammenhänge und geben dir konkrete Informationen an die Hand, damit du informierte Entscheidungen treffen kannst.

Der Einfluss von Hormonen auf das Lipödem

Hormone sind Botenstoffe, die zahlreiche Körperfunktionen steuern. Sie beeinflussen Stoffwechsel, Wachstum, Fortpflanzung und auch das Immunsystem. Beim Lipödem wird vermutet, dass insbesondere Östrogen eine zentrale Rolle spielt. Studien deuten darauf hin, dass Östrogen die Bildung von Fettzellen und die Wassereinlagerung im Gewebe beeinflussen kann – beides typische Symptome des Lipödems. Die genauen Mechanismen sind jedoch noch nicht vollständig geklärt. Es wird diskutiert, ob eine erhöhte Anzahl von Östrogenrezeptoren im Fettgewebe von Lipödem-Patientinnen vorliegt oder ob die Rezeptoren empfindlicher auf Östrogen reagieren. Dies könnte erklären, warum hormonelle Schwankungen die Symptome verstärken. Al-Ghadban et al. (Anmerkung: Die Stadieneinteilung nach Al-Ghadban ist noch nicht etabliert und nicht Leitlinien-konform.) (2023) haben in ihrer Charakterisierung der Lipödem-Stadien ebenfalls hormonelle Einflüsse hervorgehoben.

Actionable Element: Führe ein Symptomtagebuch, um festzustellen, ob deine Beschwerden mit bestimmten Phasen deines Menstruationszyklus zusammenhängen. Teile diese Informationen mit deiner Ärztin.

Hormonelle Veränderungen als Triggerfaktoren

Viele Frauen berichten, dass ihr Lipödem erstmals in der Pubertät, nach einer Schwangerschaft oder während der Menopause auftritt oder sich verschlimmert. Diese Lebensphasen sind von großen hormonellen Veränderungen geprägt. In der Pubertät steigt der Östrogenspiegel stark an, was die Entwicklung von Fettgewebe fördern kann. Während der Schwangerschaft kommt es zu weiteren hormonellen Umstellungen, die das Lipödem beeinflussen können. In der Menopause sinkt der Östrogenspiegel zwar, aber das Verhältnis von Östrogen zu anderen Hormonen kann sich verändern, was ebenfalls Auswirkungen auf das Lipödem haben kann. Es ist wichtig zu verstehen, dass diese hormonellen Veränderungen nicht die alleinige Ursache für das Lipödem sind, sondern eher als Triggerfaktoren wirken, die die Erkrankung verstärken können.

Actionable Element: Sprich mit deiner Ärztin über mögliche hormonelle Ursachen und Triggerfaktoren deines Lipödems. Eine Hormonanalyse kann sinnvoll sein, um deinen Hormonstatus zu überprüfen.

Aktuelle Forschung zu hormonellen Ursachen

Die Forschung zu den hormonellen Ursachen des Lipödems ist noch nicht abgeschlossen, aber es gibt vielversprechende Ansätze. Eine Studie von da Costa Viana (2025) hat gezeigt, dass Lipödem als hormonell bedingte gynäkologische Erkrankung betrachtet werden kann. Es wird untersucht, welche Gene möglicherweise mit dem Lipödem in Verbindung stehen und wie diese Gene durch Hormone beeinflusst werden. Ein weiterer Forschungsbereich ist die Rolle von Entzündungen beim Lipödem. Es wird vermutet, dass Hormone Entzündungsprozesse im Fettgewebe beeinflussen können, was wiederum die Symptome des Lipödems verstärkt. Zukünftige Studien könnten neue Therapieansätze aufzeigen, die gezielt auf den Hormonhaushalt und Entzündungsprozesse abzielen.

Actionable Element: Informiere dich regelmäßig über neue Forschungsergebnisse zum Lipödem, um auf dem neuesten Stand zu bleiben. Nutze dafür vertrauenswürdige Quellen wie Fachzeitschriften oder die LipoCheck-App.

GLP-1-Medikamente und Lipödem: Was Studien zeigen

GLP-1-Medikamente, die ursprünglich zur Behandlung von Diabetes entwickelt wurden, stehen seit einiger Zeit im Fokus der Lipödem-Forschung. Diese Medikamente beeinflussen den Blutzuckerspiegel und können auch zu einer Gewichtsabnahme führen. Einige Studien haben untersucht, ob GLP-1-Medikamente auch bei Lipödem-Patientinnen positive Effekte haben könnten. Die Ergebnisse sind jedoch noch nicht eindeutig. Einige Studien deuten darauf hin, dass GLP-1-Medikamente die Symptome des Lipödems lindern und die Lebensqualität verbessern könnten. Es ist jedoch wichtig zu betonen, dass GLP-1-Medikamente derzeit nicht als Standardtherapie für Lipödem empfohlen werden. Weitere Forschung ist erforderlich, um die Wirksamkeit und Sicherheit dieser Medikamente bei Lipödem-Patientinnen zu bestätigen. Wichtig: Sprich mit deiner Ärztin, bevor du Medikamente einnimmst.

Actionable Element: Besprich mit deiner Ärztin, ob GLP-1-Medikamente für dich in Frage kommen könnten, wenn du gleichzeitig an Diabetes oder Übergewicht leidest. Beachte jedoch, dass dies keine spezifische Lipödem-Therapie darstellt.

Die S2k-Leitlinie und zukünftige Therapieansätze

Die S2k-Leitlinie zum Lipödem (AWMF, Januar 2024) betont die Bedeutung einer umfassenden Therapie, die verschiedene Bausteine umfasst. Dazu gehören Kompressionstherapie, Bewegung, Ernährung und gegebenenfalls Liposuktion. Die Leitlinie geht jedoch nicht im Detail auf die Rolle von Hormonen ein. Zukünftige Therapieansätze könnten jedoch gezielt auf den Hormonhaushalt abzielen. Es wird beispielsweise an Medikamenten geforscht, die die Wirkung von Östrogen im Fettgewebe blockieren oder die Entzündungsprozesse reduzieren. Auch die personalisierte Medizin könnte eine Rolle spielen, bei der die Therapie individuell auf den Hormonstatus und die genetischen Merkmale der Patientin abgestimmt wird. Die fachärztliche Telediagnose DocReport (fachärztliche Telediagnose) kann hier erste Behandlungsempfehlungen geben und dem Hausarzt als Grundlage dienen.

Actionable Element: Informiere dich über die S2k-Leitlinie zum Lipödem, um die aktuellen Therapieempfehlungen zu kennen. Sprich mit deiner Ärztin über mögliche zukünftige Therapieansätze, die für dich in Frage kommen könnten.

Lipödem-Diagnose: Was ist wichtig?

Die Diagnose des Lipödems basiert in erster Linie auf einer sorgfältigen Anamnese und körperlichen Untersuchung. Dabei achtet die Ärztin auf die typischen Symptome wie die symmetrische Fettverteilungsstörung an Beinen und/oder Armen, die Druckschmerzhaftigkeit und die Neigung zu blauen Flecken. Es ist wichtig, andere Erkrankungen auszuschließen, die ähnliche Symptome verursachen können. Dazu gehören beispielsweise das Lymphödem oder Übergewicht. Eine Ultraschalluntersuchung kann helfen, das Fettgewebe genauer zu beurteilen. Die Diagnose sollte idealerweise von einer Ärztin gestellt werden, die sich mit Lipödem auskennt, z.B. einer Phlebologin. Im LipoGuide der kostenlosen LipoCheck-App findest du eine Schritt-für-Schritt-Checkliste zur Liposuktion als GKV-Kassenleistung — mit allen offiziellen Anforderungen, Nachweisen und Vorlagen.

Actionable Element: Suche eine Ärztin auf, die sich mit Lipödem auskennt, um eine fundierte Diagnose zu erhalten. Bereite dich auf den Termin vor, indem du deine Symptome und Beschwerden notierst.

Disclaimer: Dieser Artikel dient nur zu Informationszwecken und ersetzt keine professionelle medizinische Beratung. Sprich mit deiner Ärztin, um deine individuellen Beschwerden abzuklären und die geeignete Therapie zu finden.

Die Inhalte ersetzen keine ärztliche Diagnose oder Behandlung. Rechtliche/regulatorische Vorgaben (z. B. des G-BA) können sich ändern. Maßgeblich sind die individuelle ärztliche Beratung und die aktuell gültigen Richtlinien. Stand der Angaben: 15.04.2026

FAQ

Kann eine Hormontherapie das Lipödem heilen?

Nein, eine Hormontherapie kann das Lipödem nicht heilen. Es gibt derzeit keine spezifische Hormontherapie, die auf das Lipödem abzielt. Hormonelle Veränderungen können jedoch die Symptome beeinflussen. Sprich mit deiner Ärztin, ob eine Hormontherapie zur Linderung deiner Beschwerden in Frage kommt.


Sollte ich während der Schwangerschaft auf meine Hormone achten?

Während der Schwangerschaft kommt es zu großen hormonellen Veränderungen. Achte auf eine gesunde Ernährung und ausreichend Bewegung. Kompressionstherapie kann helfen, die Symptome des Lipödems zu lindern. Sprich mit deiner Ärztin über die geeigneten Maßnahmen während der Schwangerschaft.


Wie finde ich eine Ärztin, die sich mit Hormonen und Lipödem auskennt?

Suche nach einer Phlebologin oder Endokrinologin mit Erfahrung in der Behandlung von Lipödem. Frage in Selbsthilfegruppen nach Empfehlungen oder recherchiere im Internet. Vereinbare einen Termin und informiere dich über die Expertise der Ärztin.


Kann ich mit der Einnahme der Pille das Lipödem beeinflussen?

Die Pille enthält Hormone, die das Lipödem beeinflussen können. Einige Frauen berichten von einer Verschlimmerung der Symptome durch die Pille. Sprich mit deiner Ärztin über die Vor- und Nachteile der Pille und mögliche Alternativen.


Gibt es spezielle Ernährungsformen, die den Hormonhaushalt positiv beeinflussen können?

Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst und Ballaststoffen kann den Hormonhaushalt positiv beeinflussen. Vermeide stark verarbeitete Lebensmittel und Zucker. Sprich mit einer Ernährungsberaterin, um eine individuelle Ernährungsstrategie zu entwickeln.


Kann Stress meine Hormone beeinflussen und dadurch das Lipödem verschlimmern?

Ja, chronischer Stress kann das allgemeine Wohlbefinden beeinträchtigen; ein direkter Einfluss auf das Lipödem über den Hormonhaushalt ist wissenschaftlich nicht belegt. Achte auf Stressabbau durch Entspannungsübungen, Yoga oder Meditation. Sprich mit deiner Ärztin über mögliche Stressmanagement-Techniken.