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Wie haben sich die Methoden der Liposuktion über die Jahre verändert?

Fettabsaugungen, der medizinische Fachbegriff lautet Liposuktion, werden seit den siebziger Jahren durchgeführt. Damals begann man mit einfachen Kanülen unter Sog in Vollnarkose das Fett unter der Haut abzusaugen. Die Methoden waren sehr aggressiv und mit heutigen Methoden nicht vergleichbar. Damals kam es sehr häufig zu schweren Komplikationen wie Blutungen und unschönen Vernarbungen. An kritischen Regionen wie Unterschenkel oder Armen wurden diese erst gar nicht angewendet. Den Durchbruch brachte Ende der achtziger Jahre eine Erfindung des amerikanischen Dermatologen Jeff Klein. Er hat ein örtliches Betäubungsmittel mit Kochsalz-Lösung stark verdünnt und in großen Mengen in das zu operierende Areal unter die Haut eingespritzt. Damit konnte man Liposuktionen nicht nur in reiner Lokalanästhesie (= örtliche Betäubung) durchführen, sondern die Methode erwies sich auch als sehr schonend. Erkennbar war das an den deutlich geringeren Hämatomen und der kurzen Abheilungszeit. Die sogenannte Tumeszenz-Lokalanästhesie war erfunden und damit Grundlage für weitere Entwicklungen. Ein weiterer Meilenstein war die Einführung von vibrierenden Kanülen. Diese Methode wird auch als vibrations-assistierte oder power-assistierte Liposuktion (PAL-Methode) bezeichnet. Durch die Vibration wird nur Fettgewebe durch die Kanüle angesaugt und das übrige Gewebe geschont. Das hat mit dem unterschiedlichen Gewicht (Dichte) des Fettes gegenüber dem umliegenden Gewebe zu tun. Damit war es möglich geworden empfindliche Regionen wie Unterschenkel und Arme zu behandeln. Das sind die Regionen, die beim Lipödem mit betroffen sind. Ein Behandlungskonzept beim Lipödem mit der PAL-Methode wurde von Dermatologen entwickelt und erste wissenschaftliche Studien dazu 2011 veröffentlicht. Eine schonende Liposuktionsmethode erkennt man daran, dass das abgesaugte Fett im Behälter gelb ist. Ist es rot, dann ist mehr Blut enthalten und Blutgefäße müssen verletzt worden sein. Das heißt die Methode war zu aggressiv und es besteht das Risiko, dass auch andere Gewebestrukturen verletzt wurden.
Parallel dazu wurde von anderen Ärzten die Wasserstrahl-assistierte Liposuktion (WAL-Methode) entwickelt. Sie muss in Vollnarkose durchgeführt werden, da die Tumeszenz Lösung in kleinerer Menge eingespritzt wird und zur Betäubung nicht ausreicht. Sie wird vielmehr über die Absaugkanüle mittels eines feinen Wasserstrahls eingespritzt, löst dadurch die Fettläppchen, die dann gleich wieder mit der Lösung abgesaugt werden. Wissenschaftliche Studien zu dieser Methode stehen noch aus.
Wer sich für eine Liposuktion interessiert, sollte sich unbedingt eine zweite oder dritte Meinung von einem erfahrenen Operateur einholen. Am besten einer, der mit der PAL-Technik und einer der mit der WAL-Technik arbeitet.

Über den Autor

Dr. med. Stefan Rapprich

Dr. Stefan Rapprich ist im Team der Hautmedizin Bad Soden insbesondere ausgewiesener Experte für das Thema Lipödem. Seiner Facharztausbildung für Dermatologie und Phlebologie sowie der daran anknüpfenden Tätigkeit als leitender Oberarzt an der Hautklinik Darmstadt folgte 2015 der Einstieg in die Hautmedizin Bad Soden. Daneben übte er eine Lehrtätigkeit an der TU Darmstadt aus, ist Mitglied im Prüfungsausschuß bei der Landesärztekammer Hessen und wirkte gleichzeitig an verschiedenen renommierten Kliniken. Er ist aktiv in verschiedenen medizinischen Fachgesellschaften als gefragter Referent zum Thema Lipödem und Liposuktion tätig. Er ist Vorsitzender der AG Lipödem der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie und Vorstandsmitglied der Lipödem-Gesellschaft e.V. Dr. Rapprichs Tätigkeitsschwerpunkte sind die operative Dermatologie, insbesondere die die Behandlung von Lipödem, Liposuktion, Tumorchirurgie, übermäßiges Schwitzen/Hyperhidrosis, Narbenbehandlung) und die Phlebologie, d.h. die Behandlung von Venenerkrankungen.

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