Key Takeaways
Die Fett-weg-Spritze (Injektionslipolyse) ist laut medizinischer S2k-Leitlinie keine anerkannte oder empfohlene Therapie für Lipödem.
Die Anwendung im entzündeten Lipödem-Gewebe birgt erhebliche Risiken wie verstärkte Schmerzen, Gewebeschäden und ungleichmäßige Ergebnisse.
Sichere und bewährte Behandlungen sind die konservative Therapie (KPE) und unter bestimmten Voraussetzungen die Liposuktion, wie sie die G-BA-Richtlinie vorsieht.
Auf der Suche nach wirksamen Therapien gegen die Beschwerden eines Lipödems stoßen viele Frauen auf die Fett-weg-Spritze. Sie verspricht, gezielt Fettpolster aufzulösen - ein verlockender Gedanke. Allerdings ist diese Methode für die Behandlung von kleinen, lokalen Fettdepots bei gesunden Menschen entwickelt worden und nicht für die komplexe, chronische Erkrankung Lipödem. Die Anwendung im erkrankten Gewebe wird in den offiziellen Behandlungsleitlinien nicht empfohlen. Dieser Artikel erklärt dir die wissenschaftlichen Gründe dafür, beleuchtet die spezifischen Risiken für dich als Patientin und zeigt dir die sicheren, von Expert:innen empfohlenen Behandlungswege auf.
Funktionsweise der Fett-weg-Spritze verstehen
Die Fett-weg-Spritze, medizinisch Injektionslipolyse genannt, nutzt eine Kombination von Wirkstoffen wie Phosphatidylcholin und Desoxycholsäure. Diese Substanzen werden direkt in kleine, umschriebene Fettpolster injiziert, um die Membranen der Fettzellen aufzulösen. Der Körper soll die zerstörten Fettzellen dann über das Lymphsystem und die Leber abbauen. Dieser Prozess löst eine lokale, gewollte Entzündungsreaktion aus, die für den Abbau notwendig ist. Die Behandlung zielt ausschließlich auf ästhetische Korrekturen kleiner Areale ab, wie etwa ein Doppelkinn. Für die großflächige und krankhafte Fettverteilungsstörung des Lipödems ist dieses Verfahren nicht konzipiert oder zugelassen. Die grundlegende Pathophysiologie des Lipödems wird dadurch in keiner Weise adressiert.
Warum die Methode für Lipödem-Gewebe ungeeignet ist
Das Gewebe von Lipödem-Patientinnen unterscheidet sich fundamental von normalen Fettansammlungen. Es ist bereits durch eine chronische Entzündung, erhöhte Druckempfindlichkeit und eine gestörte Mikrostruktur der kleinsten Blut- und Lymphgefäße gekennzeichnet. Die Injektion einer entzündungsfördernden Substanz in dieses vorgeschädigte Gewebe kann die Symptome erheblich verschlimmern. Die aktuelle S2k-Leitlinie zum Lipödem, die den Goldstandard der Behandlung vorgibt, erwähnt die Injektionslipolyse nicht als Therapieoption. Statt einer Linderung riskierst du eine Verstärkung von Schmerzen, Schwellungen und Verhärtungen. Die unkontrollierte Zerstörung der Fettzellen kann zudem das empfindliche Lymphsystem weiter schädigen. Erfahre mehr über anerkannte Lipödem-Therapien, die auf wissenschaftlicher Evidenz basieren.
Spezifische Risiken für Patientinnen im überblick
Die Anwendung der Fett-weg-Spritze bei einem Lipödem birgt spezifische Gefahren, die über die normalen Nebenwirkungen hinausgehen. Eine unsachgemäße Anwendung kann zu erheblichen Komplikationen führen. Hier sind die größten Risiken für dich zusammengefasst:
- Verstärkung der Schmerzen: Die künstlich ausgelöste Entzündung kann die bereits vorhandene Schmerzsymptomatik massiv triggern.
- Dellen und unebene Konturen: Da das Fettgewebe ungleichmäßig zerstört wird, können sichtbare Dellen und Verhärtungen entstehen, die nur schwer zu korrigieren sind.
- Schädigung der Lymphgefäße: Das ohnehin schon belastete Lymphsystem kann durch die chemische Reaktion und Entzündung weiter geschädigt werden.
- Nekrosen: Im schlimmsten Fall kann es zum Absterben von Gewebe (Nekrose) an der Injektionsstelle kommen.
- Keine Besserung der Krankheit: Die Spritze behandelt nur ein Symptom (Fettansammlung), nicht aber die chronische Erkrankung selbst.
Diese Risiken verdeutlichen, warum ein fundiertes Verständnis des Unterschieds zwischen Lipödem-Fett und normalem Fett so entscheidend ist.
Leitlinienkonforme Therapien als sichere Alternative
Anstatt auf experimentelle und ungeeignete Methoden zu setzen, solltest du dich auf bewährte, leitlinienkonforme Therapien konzentrieren. Die Basis jeder Lipödem-Behandlung ist die Komplexe Physikalische Entstauungstherapie (KPE). Sie besteht aus mehreren Säulen, die individuell angepasst und orientiert sich an der Schwellungsneigung werden. Die KPE zielt darauf ab, deine Symptome zu lindern und das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen. Die S2k-Leitlinie empfiehlt eine konsequente konservative Therapie über mindestens sechs Monate, bevor operative Maßnahmen erwogen werden. Diese konservative Therapie ist auch eine Voraussetzung für die Kostenübernahme einer Liposuktion durch die Krankenkasse gemäß der G-BA-Richtlinie. Die Liposuktion ist die einzige Methode, um das krankhafte Fettgewebe dauerhaft zu reduzieren, muss aber von spezialisierten Chirurg:innen durchgeführt werden.
Der erste Schritt: Eine gesicherte Diagnose
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Die Inhalte ersetzen keine ärztliche Diagnose oder Behandlung. Rechtliche/regulatorische Vorgaben (z. B. des G-BA) können sich ändern. Maßgeblich sind die individuelle ärztliche Beratung und die aktuell gültigen Richtlinien. Stand der Angaben: 23.12.2025.
More Links
Die Lipödem Gesellschaft Deutschland bietet umfassende Informationen zum Thema Lipödem.
Der NDR bietet einen Ratgeber zu Symptomen, Tests und Behandlungsmöglichkeiten des Lipödems.
Das DocCheck Flexikon enthält einen detaillierten Artikel über das Lipödem.
Die Deutsche Gesellschaft für Phlebologie stellt Informationen für Patienten zum Lipödem bereit.
Die AWMF bietet die aktuelle S2k-Leitlinie zum Lipödem als PDF-Dokument.
Im AWMF-Register finden Sie weitere Informationen zur S2k-Leitlinie Lipödem.
Die Deutsche Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen (DGPRAEC) stellt die S1-Leitlinie zum Lipödem als PDF bereit.
Das Deutsche Ärzteblatt veröffentlichte einen Artikel zur Pathogenese, Diagnostik und den Behandlungsoptionen des Lipödems.
Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) informiert in einer Pressemitteilung über das Thema Lipödem.
FAQ
Warum ist die Fett-weg-Spritze für Lipödem-Patientinnen nicht geeignet?
Das Lipödem ist eine chronische Erkrankung mit entzündetem, schmerzhaftem Gewebe. Die Fett-weg-Spritze löst eine weitere Entzündung aus, um Fettzellen zu zerstören. Dies kann die bestehenden Symptome wie Schmerzen und Schwellungen erheblich verschlimmern und ist nicht für die großflächige Behandlung des krankhaften Gewebes ausgelegt.
Gibt es Studien zur Wirksamkeit der Fett-weg-Spritze bei Lipödem?
Nein, es gibt keine aussagekräftigen wissenschaftlichen Studien, die eine positive Wirkung oder die Sicherheit der Injektionslipolyse bei Lipödem belegen. Die offiziellen medizinischen S2k-Leitlinien zur Behandlung des Lipödems führen diese Methode daher nicht als empfohlene Therapie auf.
Was sind die von Expert:innen empfohlenen Alternativen?
Die Basistherapie ist die Komplexe Physikalische Entstauungstherapie (KPE), bestehend aus Kompression, Bewegung und optionaler manueller Lymphdrainage. Als einzige Methode zur dauerhaften Entfernung der krankhaften Fettzellen gilt die Liposuktion, die unter den strengen Kriterien der G-BA-Richtlinie durchgeführt wird.
Kann die Fett-weg-Spritze eine Liposuktion ersetzen?
Nein, die Fett-weg-Spritze kann eine Liposuktion bei Lipödem keinesfalls ersetzen. Sie ist nur für sehr kleine, lokale Fettdepots gedacht und kann die großen Mengen an krankhaftem Gewebe beim Lipödem nicht sicher oder effektiv entfernen. Die Liposuktion ist ein chirurgischer Eingriff zur Reduktion des gesamten betroffenen Gewebes.
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